Die Weltwoche
08.05.2008
Pragmatik des Bösen
Von Andreas Kunz und Eugen Sorg
24 Jahre lang hielt der Österreicher Josef Fritzl in seinem Geheimverlies eine zweite Familie. Wie kaltblütig und gewissenlos er das Doppelleben organisierte, zeigen Aussagen seiner Opfer und ehemaliger Kollegen.
Noch längst sind nicht alle Einzelheiten im Fall Josef Fritzl aus dem niederösterreichischen Amstetten bekannt, der die eigene Tochter 24 Jahre in einem Verlies in seinem Haus eingesperrt hat und mit ihr sieben Kinder zeugte. Gut möglich, dass er noch weitere Verbrechen beging, sexuelle und andere. Aber schon jetzt treten drei Merkmale deutlich hervor, die den Österreicher auszeichnen und seine Taten erst möglich gemacht haben. Er ist hypersexuell, hochintelligent und ohne jene Hemmung, die normalerweise durch die Gabe des Mitgefühls entsteht. Zusammen ergibt dies eine tödliche Mischung. Wenn er etwas will, fragt er sich nie, ob er dies auch darf, sondern nur, wie er es bekommen kann. In seiner Welt existieren keine Fragen der Moral, sondern nur der Machbarkeit. «Ich habe es eigentlich gut gemeint. Ich sorgte immer gut für alle», meinte er nach der Verhaftung ohne Reue. Fritzl ist eine idealtypische Verkörperung des Bösen.
Drei Wochen in Wien versteckt
1957 hatte der damals 21-Jährige die 17-jährige Rosemarie geheiratet. Zehn Jahre später konnte er sein offensichtlich übersteigertes Sexualbedürfnis längst nicht mehr in der Ehe ausleben. Fritzl war bereits vierfacher Vater, als er im Oktober 1967 in Linz in eine Hochparterrewohnung einstieg und eine 25-jährige Frau vergewaltigte. Das Opfer erinnert sich, dass Fritzl sie damals ausgekundschaftet hatte und wusste, dass sie nachts oft nur mit dem Kleinkind alleine zu Hause war. «Er ist mit dem Fahrrad durch die Gegend gefahren und hat alles beobachtet», sagt sie. Dann sei er plötzlich in ihrer Wohnung gestanden, habe die Bettdecke weggezogen und ihr ein Messer an die Kehle gedrückt. «Bevor er gegangen ist, sagte er noch, dass er mich umbringen wird, wenn ich irgendetwas sage», erzählt die Frau. Überführt wurde Fritzl damals anhand seines Händeabdrucks auf dem Fenstersims. Einen Monat vor der Tat hatte er bereits versucht, eine 21-jährige Spaziergängerin in den Wald zu zerren und zu vergewaltigen. Ausserdem war er registriert wegen versuchter Notzucht und Exhibitionismus. Fritzl wurde zu 18 Monaten Haft verurteilt. Die Oberösterreichischen Nachrichten titelten damals: «Mehrfacher Vater von Polizei als gemeiner Sittenstrolch entlarvt».
1977 begann er, sich an seiner damals elfjährigen Tochter Elisabeth, dem vierten von insgesamt sieben Kindern, zu vergehen. Ein Jahr darauf meldete er bei den Behörden einen Schutzraum für den Kriegsfall an. Es ist anzunehmen, dass er mit seiner Fähigkeit, die Reaktionen der anderen wie ein Schachspieler vorauszudenken, damit gerechnet hat, dass ihm Elisabeth einmal Probleme machen würde. «Sie war ein schwieriges Kind», sagte Fritzl bei der Einvernahme. Der Ingenieur baute den Keller zu einem Geheimverlies samt Dusche, Toilette, Waschmaschine und Kochnische aus. Um eine totale Schallisolierung zu erzeugen, verwendete er einen speziellen Bauschaum.Er installierte einen Ventilator und ein Abluftsystem. Eine der beiden schweren Brandschutztüren, die das Verlies mit einem digitalen Code abschlossen, bekleidete er eigenhändig mit Beton. Davor stellte er ein Regal, das man teilweise abrüsten musste, um es verschieben zu können.
Elisabeth arbeitete mit 16 als Kellnerin in einer Autobahnraststätte und lebte mit anderen Lehrlingen in einem Wohnheim. Die Ermittler vermuten, dass Fritzl sie an ihrer Arbeitsstelle oder beim Lehrlingshaus abpasste und zwang, an den Wochenenden nach Hause zu kommen. Im Elternhaus, im Keller und im Auto habe er sich immer wieder über sie hergemacht. Zweimal sei sie zu Hause ausgerissen, 1983 versteckte sie sich mit einer Freundin drei Wochen in Wien, bevor sie von der Polizei aufgegriffen und zurück zu ihren Eltern gebracht wurde. Am Abend des 28. August 1984 lockt Fritzl seine Tochter in den Keller und betäubt sie. Mit Handschellen kettet er sie zwei Tage an eine Eisenstange. Dann soll er sie für mindestens sechs Monate angeleint haben. Das Tageslicht würde Elisabeth erst 24 Jahre später wieder erblicken.
Triebgelüste bestimmten das Leben
Beruflich war Fritzl erfolgreich. Zuerst arbeitete er als Elektrotechniker in Linz, nach seinem 18-monatigen Gefängnisaufenthalt fand er 1969 einen Job als Betriebsleiter einer Baustofffirma in Amstetten. Der neue Arbeitgeber wusste von seiner Vorstrafe, doch Fritzl galt als akribisch arbeitender, perfekter Techniker und Planer. Ein ehemaliger Kollege erinnert sich an einen «grenzgenialen Tüftler», einen «tüchtigen, engagierten und sehr gescheiten Kollegen».
Unter anderem habe er eine Maschine zur Herstellung von Betonrohren entwickelt, die «weltweit zum Standard» geworden sei. Eine Mitarbeiterin erinnert sich, dass Fritzl gerne geflirtet und sich als Dandy gegeben habe. «Seine Schuhe haben immer geglänzt, die Krawatte sass nie schief, er war immer wie aus dem Ei gepellt. Er sah aus wie ein Diplomat. Er war ein richtig fescher Kerl und der Schwarm aller Frauen im Betrieb.»
1972 machte sich Fritzl selbständig. Mit seiner Frau Rosemarie führte er mehr als zwanzig Jahre lang den Gasthof «Seestern» samt Campingplatz am Mondsee in Oberösterreich. Die Familie mit den mittlerweile sieben Kindern verbrachte auf dem Gelände ihre Sommerferien. «Er hatte ein äusserst dominantes Auftreten», erinnert sich ein ehemaliger Gast. «Seine Frau war zurückhaltend, es wirkte so, als sei sie ihm hörig.» Der Schritt in die berufliche Unabhängigkeit war konsequent. Er ermöglichte es ihm, das Leben gezielt und vollständig um seine Triebgelüste herum zu organisieren. Er war niemandem mehr Rechenschaft schuldig, niemand konnte ihn mehr kontrollieren.
Ermittlungen nach einem Brand auf dem Gelände, den Fritzl 1982 selbst gelegt haben soll, um die Versicherungssumme zu kassieren, wurden aus Mangel an Beweisen eingestellt. 1986 fand die Polizei am Ufer des Mondsees, unweit des «Seesterns», die Leiche eines 17-jährigen Mädchens, das einem Sexualmord zum Opfer gefallen war.
Der Täter konnte nie gefunden werden. Es habe damals «keinerlei Hinweise» auf Fritzl gegeben, versichern die Behörden, die den Fall jetzt aber neu aufrollen.
Während seine Frau in den Sommermonaten alleine den Gasthof betrieb, begann Fritzl, mit einem Bankkredit erste Immobilien aufzukaufen, die er zu Wohnungen ausbaute und mit enormem Gewinn wieder veräusserte. Seine Geschäftspartner erinnern sich an ihn als «ausgekochten Fuchs». Er habe stets genau gewusst, was er wollte und wie er es kriegte. Die Millionengewinne, die er dabei erzielte, hat er seiner Frau verheimlicht. Er würde in seiner Freizeit nur Baupläne zeichnen und ein bisschen herumwerken, erzählte er ihr. Den gleichen Vorwand gebrauchte Fritzl, wenn er daheim in Amstetten in den Keller stieg und nächtelang dort verweilte.
Das Verschwinden von Elisabeth erklärte er damit, dass sie durchgebrannt und in die Fänge einer «indischen Guru-Sekte» geraten sei. Die sorgenvollen, bemitleidenden Blicke der Dorfbewohner erwiderte er mit traurigem, gesenktem Blick. Derweil hielt er seine Tochter im Verlies, anfänglich in einem einzigen Raum. Nach der Geburt ihres zweiten Kindes baute er ihn in monatelanger Arbeit zu einem Schachtelverlies aus. Drei der von ihm mit seiner Tochter gezeugten sieben Kinder legte er im Laufe der Jahre bei sich vor die Haustüre, eines, das bei der Geburt starb, verbrannte er im Heizkessel. Die Auswahl war davon abhängig, in welchem gesundheitlichen Zustand sie sich befanden und ob sie zu viel geschrien hatten.
Den Behörden zeigte Fritzl jeweils einen Brief mit Poststempel aus Oberösterreich, in dem Elisabeth – auf Befehl ihres Peinigers – ihre Sektenzugehörigkeit bestätigte und um Verständnis für die Abgabe der Kinder bat. Um die List noch glaubwürdiger zu machen, rief Fritzl an einem Herbsttag im Jahr 1994 selbst seine Frau Rosemarie an. Er liess ein Tonband laufen, auf dem Elisabeth sagte: «Ich bins. Sei mir bitte nicht böse. Ich kann dir aber leider nicht sagen, wo ich bin. Bitte kümmert euch um mein Baby. Ich habe es euch grade vor die Türe gelegt.» Der Mutter kam die Stimme sonderbar vor, und sie wunderte sich auch, woher Elisabeth die vor wenigen Tagen erneuerte Telefonnummer kannte. Weiter nachgedacht hat sie offenbar nicht.
Für jede Situation die passende Rolle
Bis in die kleinsten Details wusste Fritzl seinen Kummer um die angeblich verschollene Tochter zum Ausdruck zu bringen. Als einzige volljährige Verwandte besitzt Elisabeth ein Wohn- und Gebrauchsrecht in seinem Amstettener Domizil. In einem Antrag, den ein Notar 2006 für Fritzl im Zuge eines Grundbuchverfahrens vorbrachte, hiess es: «Herr Josef Fritzl möchte seine Tochter nicht für tot erklären lassen, da er immer noch Hoffnung hat. Die Tochter des Eigentümers ist seit 20 Jahren abgängig und trotz intensiver Bemühungen der Eltern nicht auffindbar.»
Niemand ahnte etwas. Zum einen, weil die Idee einer zweiten, vergrabenen Inzestfamilie das Vorstellungsvermögen auch des abgebrühtesten Gerichtspsychiaters übersteigt. Zum anderen, weil Fritzl den Spielvorteil desjenigen hatte, der weder Gewissensbisse noch Mitleid noch Grenzen kennt. Ohne selber menschliche Verbundenheit zu empfinden, mit kaltem Blick, konnte er je nach Situation die passende Rolle einnehmen und auf den anderen spielen wie auf einer Maschine, sie täuschen, manipulieren, bedrohen oder verführen.
Die Beamten der Vormundschaftsbehörde besuchten insgesamt 21-mal die Fritzls und ihre drei «Pflegekinder». Jedes Mal gewannen sie einen tadellosen Eindruck: gut erzogene Kinder, fürsorgliche Eltern. Nichts gemerkt hatten auch die Gemeindearbeiter und Kaminfeger, die 1999 den Heizkessel kontrollierten, hinter dem sich die Türe zum Verlies befand.
Seiner Frau Rosemarie und den drei «Pflegekindern», denen gegenüber er als grober Patriarch auftrat, und den rund hundert verschiedenen Leuten, die in den vergangenen 24 Jahren als Untermieter im gleichen Haus gewohnt haben, erteilte Fritzl ein striktes Kellerverbot. In den Wohnungsinseraten habe er explizit darauf hingewiesen: «Kein Kellerabteil zur Verfügung». Fritzl soll gewarnt haben: «Das Untergeschoss ist elektronisch gesichert. Wer dennoch in den Keller geht, dem wird fristlos gekündigt.»
Vom Kampusch-Fall schockiert
An den jährlichen Familientreffen sei Fritzl aber «locker und gesellig» gewesen, erzählt Schwägerin Christine R., 59. Er habe derbe Sexwitze erzählt und dabei selber am lautesten gelacht. Fritzl soll sie gehänselt haben mit den Worten: «Dicke Frauen sind unter meinem Niveau.» Ihr Konter: «Besser dick als eine Glatze.» Die Folge laut Christine: «Der Josef ist so eitel, dass er nach Wien fuhr und sich Haare implantieren liess.»
Den Aussagen der Bekannten, die nun von den Medien bestürmt werden, ist mit Vorsicht zu begegnen. Die Versuchung ist gross, sich wichtig zu machen oder die Erinnerung an den momentanen öffentlichen Wissensstand anzupassen. Es passt hingegen zur abgründigen Persönlichkeit Fritzls, dass selbst Schwägerin Christine kaum etwas weiss über dessen Kindheit und Jugend. Er soll aber ohne Vater aufgewachsen sein, mit einer Mutter, die ihn oft «grün und blau geschlagen» habe. Ehemalige Schulfreunde erzählen, dass Fritzl ein scheues Kind gewesen sei. In der Pubertät sei ihm dann «der Knopf aufgegangen». Plötzlich habe er sich fesch hergerichtet und «wie ein Wilder» gelernt. Damals habe er wohl beschlossen, aus seinem bisherigen Leben auszubrechen und Karriere zu machen.
In der Nachbarschaft galt Josef Fritzl als etwas kauzig, aber freundlich und hilfsbereit. Er half gerne bei Problemen mit technischen Geräten, ging fischen und erledigte Gartenarbeiten. Im nahegelegenen Café plauderte er mit dem Inhaber über das Wetter oder über Nachrichten. «Ich erinnere mich an den Tag, als die Geschichte mit Natascha Kampusch auf der Titelseite stand und er gesagt hat, dass er das ziemlich schockierend finde», sagt der Kaffeehausbesitzer.
In seinem Stammlokal in Amstetten gab er den virilen Chauvinisten, der im Ruderleibchen und behängt mit fünf Goldkettchen Kellnerinnen begrapschte. Unter Geschäftsfreunden besass er die Reputation des loyalen, sparsamen und erfolgreichen Immobilienbesitzers. Ausser einem alten Mercedes soll er sich nichts geleistet haben. Auf die Frage, warum er überhaupt noch arbeite, antwortete Fritzl ohne jeglichen erkennbaren Sarkasmus: «Ich mache das nur noch für meine Enkelkinder.»
Seine Immobiliengeschäfte trieb er ehrgeizig und gerissen voran. 2005 etwa kaufte er ein Grundstück in St. Pölten. Er soll sich bei der Verhandlung als Rechtsanwalt ausgegeben haben. Schnell einigte man sich auf den Kaufpreis von einer Million Euro. Um den Verkäufer zu überzeugen, legte Fritzl 600 000 Euro bar auf den Tisch. Bei seiner Verhaftung besass er mindestens fünf Mehrfamilienhäuser und eine Firma für Unterwäsche an seiner Wohnadresse.
Letztere wird wie alles, was Fritzl unternahm, im Zusammenhang mit seinen Triebaktivitäten gestanden haben, ein weiteres Tarnmanöver, dazu dienend, Einkauf und Lagerung von Wäsche oder den Transport von Waren in und aus dem Haus zu legitimieren. Die wachsende geheime Familie stellte Fritzl vor nicht geringe logistische Anforderungen. Sie brauchte Kleider, Babynahrung, Toilettenartikel und produzierte Abfall, der wieder entsorgt werden musste.
Fritzl erledigte die notwendigen Einkäufe nie in Amstetten, sondern in den Supermärkten der umliegenden Dörfer. Im Schutze der Dunkelheit brachte er die Produkte mit einer Schubkarre ins Verlies, in derselben schaffte er die Abfälle wieder heraus.
Öfter war er für längere Zeit weg. Regelmässig reiste er zum Beispiel für mehrere Wochen mit Freunden aus München nach Thailand in die Ferien. Bilder und Videos zeigen ihn gut gelaunt und braun gebrannt am Strand von Pattaya, lachend bei einem Elefantenritt, mit einer Schweinshaxe in der Hand im Restaurant, nackt im Bett, bedeckt allein mit einem Laken. Während derselben Zeit ernährte sich die Untergrundfamilie von den Vorräten, die Fritzl für die Dauer seiner Abwesenheit im Verlies zurückgelassen hatte.
Vielleicht war sich Fritzl zu sicher geworden, als er am Montag, 21. April, seine schwerkranke 19-jährige Tochter und Enkelin Kerstin vom Kerker die Treppe hinauftrug, vor die Wohnungstüre legte und die Sanität benachrichtigte. Kurze Zeit später lag Kerstin im Koma im Spital, mit einer schweren Infektion, ausgelöst vermutlich durch eine Erbkrankheit. Die Ärzte liessen per Aufruf im Fernsehen nach ihrer Mutter suchen. Fritzl hatte natürlich auch ihnen die Geschichte von der angeblich in Sektenobhut steckenden Elisabeth erzählt.
Nun zog er zum letzten Mal alle Register seiner Täuschungskunst. Er meldete sich telefonisch bei den Behörden und dem Spital, um sich überschwänglich für die geleistete Hilfe und die Anteilnahme an seiner Sorge um die leidende «Enkelin» zu bedanken. Dabei machte er einen derart glaubwürdigen Eindruck, dass ihn der lokale Polizeichef noch am Freitag, am Tag vor der Verhaftung, als «perfekten Menschen» bezeichnete. Am Samstag dann rief Fritzl den Leiter der Intensivstation an und sagte, dass seine Tochter Elisabeth wieder aufgetaucht sei und bereit sei, ins Spital zu kommen, allerdings nur unter der Bedingung, dass die Polizei nicht informiert werde. Elisabeth, die im Kerker einen Fernseher haben durfte, hatte den Aufruf an sie gesehen und ihren Vater überzeugen können, sie zur Tochter ins Spital zu bringen. Fritzl, der offenbar darauf vertraute, dass Elisabeth zu eingeschüchtert sein würde, um die Wahrheit zu offenbaren, willigte ein.
Im Spital den Gentest verweigert
Kurz nachdem Fritzl mit Tochter Elisabeth im Spital erschienen war, erhielt die Polizei jedoch einen anonymen Hinweis aus dem Krankenhaus Amstetten. Ein Arzt war misstrauisch geworden, als er die aschfahle, verstört wirkende Elisabeth sah und Fritzl sich hartnäckig weigerte, einen Gentest zu machen, um die Krankheit der angeblichen Enkelin zu diagnostizieren. Die Beamten kommen gerade noch rechtzeitig, als Josef und Elisabeth Fritzl das Krankenhaus wieder verlassen wollen. Die Polizisten trennen die beiden und sprechen getrennt mit ihnen. Josef Fritzl wirkt unruhig, blickt immer wieder zur Türe. Seine erlogene Geschichte präsentiert er freundlich, aber einsilbig. Tochter Elisabeth sitzt im Nebenzimmer. Als sie ihre Version der vergangenen 24 Jahre erzählt, wird Josef Fritzl verhaftet.
Seit der ersten Einvernahme, in der Fritzl keine Schuldeinsicht gezeigt und geprahlt haben soll, wie trickreich er zu Werke gegangen sei, schweigt er nun. Sein Anwalt Rudolf Mayer sagt, Fritzl wirke mittlerweile sehr ernst. Er sei ein gebrochener Mann. «Alle sehen in ihm nur das Inzestmonster oder die Bestie», sagt Mayer. «Mein Job ist es nun, ihn als Menschen zu schildern.» Keine leichte Aufgabe.
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